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Nachwuchsleistungssport-Symposium "Wege an die Spitze"

08.05.2013 – Das Nachwuchsleistungssport-Symposium des Instituts für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) hat vom 6. - 8. Mai 2013 in der Leipziger Red Bull Arena stattgefunden. Über 300 Bundes- und Landestrainer, Nachwuchstrainer und Vertreter zahlreicher Sportverbände, Olympiastützpunkte und Landessportbünde sowie Sportwissenschaftler befassten sich drei Tage lang mit Herausforderungen und Chancen im Bereich des Nachwuchsleistungssports.
Nachwuchsleistungssport-Symposium "Wege an die Spitze"

Teilnehmer des Nachwuchsleistungssport-Symposiums 2013

Fördersysteme – Macht Geld Gold? Wettkämpfe – Früher, größer, weiter? Training – Wie macht Übung den Meister? Diesen und weiteren Fragen ist das IAT in Kooperation mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) im Rahmen des dreitägigen Symposiums auf den Grund gegangen. „Die enorme Resonanz mit zusätzlich noch fast 150 Personen auf der Warteliste zeigt den großen Bedarf an einem Forum für Wissenschaft und Praxis im Nachwuchsleistungssport“, so IAT-Direktor Prof. Arndt Pfützner.

Eröffnet wurde das Symposium am Montag durch Dr. Christoph Bergner, dem Parlamentarischen Staatssekretär des Bundesministeriums des Innern, Johannes Beermann, Chef der sächsischen Staatskanzlei, und Dr. Martina Münch, der Ministerin für Jugend, Bildung und Sport des Landes Brandenburg. Alle Begrüßungsredner betonten in ihren Ansprachen die Bedeutung einer sportartenübergreifendenden Gesamtstrategie für den Nachwuchsleistungssport. „In London konnten 2012 viele deutsche Sportverbände ihre selbst gesteckten Ziele nicht umsetzen“, sagte beispielsweise Dr. Münch. „Damit sich das in Zukunft nicht wiederholt, müssen Bund und Länder eng zusammenarbeiten.“

NWLS 2013: A. Hoffmann

IAT-Direktor Pfützner betonte in seiner Einführung: „Der deutsche Leistungssport muss sich an der Weltspitze orientieren, aber momentan können wir mit dem Weltmaßstab nicht ganz mithalten. Sportler aus dem Juniorenbereich bringen im deutschen Olympiateam nurin Einzelfällen Spitzenleistungen.“

Um erfolgreiche Talententwicklung im Nachwuchsleistungssport ging es bei Dr. Antje Hoffmanns Eröffnungsreferat. Ob steiler Aufstieg oder auf Umwegen nach oben – Was ist notwendig, um den Sprung vom Junioren- in den Spitzensportbereich zu schaffen? Die Leiterin des IAT-Fachbereichs Nachwuchsleistungssport beschäftigte sich mit Begabung, Talententwicklung, Umfeld und Förderung junger Athleten und stellte die „ Leipziger Positionen zum Nachwuchsleistungsport in Deutschland“ vor. Ihr Fazit: „Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsdefizit im deutschen Nachwuchsleistungssport. Um in Zukunft wieder erfolgreicher zu sein, müssen wir weg von der problem-, hin zur lösungsorientierten Arbeitsweise.“

Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, bot das Symposium den Teilnehmern neben wissenschaftlichen Referaten aus den Bereichen Trainingswissenschaft, Medizin und Sportpsychologie auch zahlreiche sportartgruppenspezifische Diskussionsforen. Die Veranstaltung richtete zudem Schlaglichter auf Best-Practice-Modelle im Gerätturnen, Hockey, Handball und Nordische Kombination.

NWLS 2013: R. Weise

Roland Weise, der pädagogische Leiter des Leipziger Thomanerchors, stellte bei einem Blick über den sportlichen Tellerrand Konzepte der Sichtung und Talentförderung des Bildungscampus forum thomanum vor: „Wir brauchen nur Wenige, aber wir brauchen die Richtigen.“ Ein Talent für den Thomanerchor zeichne sich nicht nur durch eine gute Stimme, sondern auch die richtige Persönlichkeit aus. Wichtig seien laut Weise vor allem Verantwortungsbewusstsein, Mündigkeit und Gemeinschaftsgefühl.

NWLS 2013: K. Wilhelm

Des Weiteren plauderten erfolgreiche Athleten und Athletinnen verschiedener Disziplinen gemeinsam mit ihren Trainern aus dem Nähkästchen. So sprachen die Judokas Kerstin Thiele und Annett Böhm mit ihrem Trainer Norbert Littkopf, Turntalent Sophie Scheder mit ihrer Trainerin Gabi Frehse, Triathlet Steffen und sein Vater Klaus-Peter Justus und die Ex-Biathletin Kati Wilhelm über Erfolgsgeheimnisse und Schlüsselereignisse ihrer sportlichen Laufbahn. Olympiasiegerin Kati Wilhelm bezeichnete vor allem Disziplin und Eigeninitiative als prägend für ihre Karriere. Auch der Trainer hat laut Wilhelm großen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung und Motivation eines Spitzensportlers, denn der sei schließlich dafür verantwortlich, dass Quälen Spaß macht.

Aus der Leichtathletik standen Ex-Stabhochspringer Danny Ecker und sein langjähriger Trainer Leszek Klima den Zuhörern Rede und Antwort. „Sport, gerade im Spitzenbereich, das ist nicht nur Wissen und Können, das sind auch Emotionen“, betonte Klima. „Ich habe viele Athleten gehabt und man merkt schon früh, welche es nicht in den Spitzensport schaffen werden, weil ihnen der Mut fehlt. Danny musste ich immer eher zurückhalten!“

NWLS 2013: D. Ecker und L. Klima

Zum Abschluss des Symposiums wurden Eckpunkte des neuen Nachwuchsleistungssportkonzepts des DOSB intensiv und zum Teil auch kontrovers diskutiert. Nach Ansicht der Teilnehmer bedarf es bis zur Verabschiedung des Papiers durch die DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember einer noch deutlicheren Klarheit, wohin sich der deutsche Nachwuchsleistungssport in Deutschland bis 2020 entwickeln soll.

 

Text: Annegret Müller

Bilder: Dirk Birnbaum


Link zum Programm

Download:
Leipziger Positionen zum Nachwuchsleistungssport in Deutschland (pdf)


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