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Wissenstransfer im Leistungssport

12.10.2017 - Neuentwicklungen im Wissenstransfer für Fachpersonal im deutschen Leistungssport standen im Mittelpunkt der 38. Jahrestagung der AGSB vom 20.-21. September in Leipzig.
Wissenstransfer im Leistungssport

Teilnehmer der 38. AGSB-Tagung am IAT

Gastgeber war das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft, dessen Fachbereich Information Kommunikation Sport die Veranstaltung durchführte. An der Tagung nahmen 21 Vertreter aus 11 Einrichtungen teil.

Die Jahrestagung wurde eröffnet mit einem Blick in die bibliothekarische Zukunft der Sportwissenschaft an der Universität Leipzig. Auf dem Leipziger Campus Jahnallee entsteht gerade eine moderne Bibliothek, in der die Sportwissenschaft gemeinsam mit der Erziehungswissenschaft ihre neue Heimstätte finden wird. Präsentiert durch die stellvertretende Direktorin der UB Leipzig, Frau Charlotte Bauer, und den für den Hochschulbau im Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement Sachsen Verantwortlichen, Herrn Ingo Fischer, entstand ein lebendiger Blick in die neuen Räume und auf die Funktionen, die den zukünftigen Nutzern – den Studierenden und Lehrenden der Universität – zur Verfügung stehen werden.

Diesem „Warming-Up“ folgten traditionsgemäß Berichte aus den teilnehmenden Einrichtungen, in denen sowohl aktuelle Angebote und Entwicklungen in den sportwissenschaftlichen Bibliotheken und Informationseinrichtungen, aber auch deren Wünsche und Probleme deutlich wurden. Gerade die Herausforderungen der Digitalisierung betreffen Bibliotheks- und Fachinformationsangebote in spürbarer Intensität, eröffnen gleichzeitig aber auch neue Möglichkeiten für interessante Angebote an die Nutzer. Beispiele dafür waren die lokalen Lösungen für die Zusammenarbeit zwischen Universitäts- und sportwissenschaftlichen Institutsbibliotheken, die Übernahme von Lehr- und Ausbildungsverantwortung von Bibliotheken für das wissenschaftliche Publizieren (wie zum Beispiel an der Universität Basel) oder der Ausbau von Literaturdatenbanken (wie zum Beispiel durch das BISp Bonn mit dem Surf-Portal). Thematisiert wurde außerdem die Unterstützung, die die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) für die Mitglieder der AGSB anbietet.

Innovative Lösungen des IAT präsentiert

Die Organisatoren der Jahrestagung, die sich seit mehr als 25 Jahren mit der Informationsversorgung von im Leistungssport tätigen Trainern, Wissenschaftlern, Ärzten und Psychologen befassen, stellten am zweiten Tag der Veranstaltung spezielle Fachinformationsangebote für diese Zielgruppe vor. Der Überblicksbeitrag von Dr. Hartmut Sandner und Axel Brüning (beide vom IAT-Fachbereich Information Kommunikation Sport) verdeutlichte, dass es Anliegen des IAT ist, für die in den Studien der Universität Tübingen (Projekte von Prof. M. Muckenhaupt und seinem Team) zum Trainerinformationsverhalten aufgeworfenen Fragen Antworten zu finden und Angebote zu entwickeln, die dem leistungssportlichen Alltag in der Trainings- und Wettkampfpraxis zunehmend besser entsprechen. Die Grundlage für die Serviceangebote bildet dabei die trainingswissenschaftliche Datenbank SPONET. Im Rahmen der Präsentation hatte die Datenbank SPONET mit neuem Design und neuen Funktionen ihre nationale Premiere. Sie wurde von den Teilnehmern mit Interesse aufgenommen, da das IAT-Angebot auch von allen teilnehmenden Einrichtungen genutzt werden kann. Basierend auf SPONET sind in den zurückliegenden Monaten durch das IAT eine Vielzahl sportart- und themenspezifischer Datenbanken (die LIDAs) entstanden, die in olympischen Sportverbänden Deutschlands wie auch in der Trainerakademie des DOSB Köln in der Traineraus- und -weiterbildung eingesetzt werden. In der Präsentation wurden weitere Elemente des modular aufgebauten und auf einer aktiven Informationsarbeit basierenden Wissenstransferkonzepts des IAT wie zum Beispiel der individualisierte Fachinformationsservice SPRINT (mit aktuell mehr als 2.850 Abonnenten) sowie mehrere Datenbanklösungen (zum Beispiel für die Zeitschrift Leistungssport oder die Internationale Konferenz Biomechanics and Medicine in Swimming) vorgestellt.

Im Anschluss daran präsentierte Martin Götze, Mitarbeiter im gemeinsamen Wissensmanagementprojekt des Deutschen Fußball-Bund und des IAT, ein neues Produkt zum Wissenstransfer im Leistungssport. Mit dem regelmäßig erscheinenden Digest Entwicklung und Innovation werden bekannte Schwellen und Hemmnisse für die Nutzung aktuellen Fachwissens unter Trainern adressiert. Durch diese online-basierte, multimediale Publikation werden Fußballtrainer mit kompakten Fachinformationen zu aktuellen, „brennenden“ Themen des sportartspezifischen Trainings und Wettkampfs in „Trainersprache“ versorgt. In der Präsentation wie auch in der sich anschließenden Diskussion wurde verdeutlicht, dass es bei weiteren deutschen Sportverbänden ein großes Interesse an diesem neuen Produkt gibt.

Den Abschluss dieses Themenschwerpunkts bildete die Präsentation des am IAT entwickelten und bereits in mehreren Sportarte eingesetzten Wissenstransferprodukts mit OwnCloud. Am Beispiel des Skilanglaufs stellte Fachgruppenleiter Dr. Axel Schürer die Inhalte vor, zu denen zwischen Trainern, Sportlern und Wissenschaftlern aktuelles Wissen ausgetauscht wird und welche Funktionen dafür genutzt werden.

dvs-Memorandum vorgestellt:
"Ressourcen noch mehr für Wissenstransfer nutzen"

Die Präsentation von Frederik Borkenhagen richtete den inhaltlichen Fokus auf die aktuelle Situation der nationalen Sportwissenschaft und deren Fachorganisation dvs. Ausgehend von der im September 2017 aktualisierten Fassung des Memorandums Sportwissenschaft berichtete er von den Aktivitäten, um identifizierte Entwicklungsthemen aktiv mitzugestalten und für aktuelle Probleme Lösungen zu finden. Darin eingeschlossen ist auch die Beitragsfähigkeit der sportwissenschaftlichen Bibliotheken und Fachinformationseinrichtungen. Im Memorandum wird entsprechend die Erwartung formuliert, dass „Ressourcen der Sportwissenschaft noch mehr für den Wissenstransfer genutzt werden, um die Marke Sportwissenschaft zu schärfen und in der Öffentlichkeit zu verankern“ (Memorandum Sportwissenschaft, 13.9.2017). Diesem Anliegen folgt auch das kürzlich verabschiedete „Kerncurriculum“ für den Bachelorstudiengang Sportwissenschaft für alle Hochschulen und die gezielte Nutzung von wissenschaftlichen Konferenzen, Expertenworkshops und ähnlichen Veranstaltungen, um die Sportwissenschaft mit ihren wissenschaftlichen und sportpraktischen Potenzialen zu präsentieren.

Frederik Borkenhagen informierte auch über seine Wahl in den Vorstand der dvs, wodurch ihm eine kontinuierliche Vertretung der Interessen der AGSB erleichtert wird.

Den fachlichen Abschluss der 38. Jahrestagung bildete die Präsentation von Prof. Dr. Alexander Gross von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig zu aktuellen Problemen in der wissenschaftlichen Kommunikation und Veränderungen im Bereich Wissenstransfer im digitalen Zeitalter. Er präsentiert neue Formen des Zugangs zu Wissen und wissenschaftlicher Literatur durch Informations- und Wissensplattformen, die das Finden relevanter Literatur erleichtern sollen. Eines dieser Angebote ist die von ihm mitentwickelte Plattform Science Open für Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen.

Mit der Wiederwahl von Frederik Borkenhagen (Universität Heidelberg) als AGSB-Präsident und den ihm zur Seite stehenden Stellvertreterinnen Ruth Lütkehermölle vom BISp Bonn und Renate Leubin von der Universität Basel erhielten wieder die gleichen VertreterInnen das Vertrauen, die der AGSB seit 2015 vorstanden. Die 39. AGSB-Tagung findet im Herbst 2018 am Institut für Sportwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt/Main statt.

H. Sandner / 10.10.2017

 

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