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Durch Aha-Erlebnis von Wissenschaft überzeugt

22.04.2020 - Wissenschaftliche Unterstützung ist aus dem Trainingsalltag des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) nicht mehr wegzudenken. Lange Zeit wurde sich im Tischtennis ausschließlich auf das Bauchgefühl und Trainerauge verlassen. Erst seit 2015 arbeitet der DTTB mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) zusammen.
Durch Aha-Erlebnis von Wissenschaft überzeugt

DTTB-Sportdirektor Richard Prause (Foto: DTTB)

„Seitdem ist die Zusammenarbeit immer mehr gewachsen. Inzwischen können wir uns viele Dinge in der Vorbereitung auf Wettkämpfe ohne das IAT nicht mehr vorstellen“, sagt Sportdirektor Richard Prause. Die Akzeptanz bei Spielern und Trainern war allerdings ein Prozess. Denn für sie zählt nur eins: Alle wissenschaftlichen Ergebnisse müssen praxisrelevant sein. Ein Aha-Erlebnis überzeugte schließlich, erzählt Prause.

Die Technik auch im Tischtennis entwickelt sich immer weiter. So gewann eine Schlagtechnik in den Jahren 2014/15/16 unglaublich an Bedeutung, der sogenannte Rückhand-Flip, berichtet Prause. „Das Trainerauge sagte: Ohne diesen Schlag kommt man nicht aus.“ Doch was ist eigentlich dran an diesem Schlag? Wie wichtig ist er wirklich? Die Beobachtung: Er wird viel angewandt. Aber ist er auch erfolgreich? Dem Bauchgefühl sollten objektive Daten folgen. IAT-Wissenschaftler Sascha Nimtz wurde damit beauftragt. Seine Ergebnisse waren überraschend. Zwar wurde diese Schlagtechnik häufig angewandt, aber gar nicht so erfolgreich wie angenommen. Der Rückhand-Flip ist ein wichtiger Schlag, aber nur in Variation und Kombination mit anderen Schlägen. „Das war für uns eine enorm wichtige Erkenntnis, die wir sofort in die Trainingspraxis übertragen konnten. Wir wussten von da an, dass wir den Rückhand-Flip mit anderen Schlagvarianten kombinieren müssen“, sagt Prause.

Die Forschungsbereiche haben sich seit 2015 immer weiter verbreitert. So gibt es Untersuchungen zum veränderten Angriffsverhalten aufgrund der seit etwa sechs Jahren neu eingesetzten Ballmaterialen, die immer etwas unterschiedlich waren. Seit zwei Jahren gibt es nun nur noch ein Material. Auch unterstützt das IAT Sportler und Trainer des DTTB mit dem Datenmanagementsystem IDA - eine umfassende, komplexe und onlinebasierte Software zur Planung, Dokumentation und Analyse von Trainings-, Wettkampf- und anderer Leistungsdaten. Ebenso hilfreich sind Gegneranalysen und die Arbeit an der Gegner Taktik App. „Wir sind also mehr als zufrieden mit der Zusammenarbeit mit dem IAT. Eine noch intensivere wissenschaftliche Zusammenarbeit wäre klasse. Aber das hängt ja von der zur Verfügung stehenden Manpower ab. Hier stehen uns am IAT mit Sascha Nimtz und Thorben Schwieder in der Fachgruppe 1,5 Stellen zur Verfügung. Aber wir sehen einen Mehrbedarf bei den vielfältigen Aufgabenstellungen, die wir gemeinsam mit dem IAT bearbeiten“, sagt Prause. „Auch wäre es für uns beim DTTB wünschenswert, einen Wissenschaftskoordinator zu haben, der sich ausschließlich um die Belange der Wissenschaft kümmern könnte. Augenblicklich wird diese Arbeit auf mehrere Schultern verteilt.“

Erfreut ist der Sportdirektor über das neue Nachwuchsleistungssportprojekt am IAT, in dem untersucht werden soll, welche technisch-taktischen Leistungsvoraussetzungen ein junger Spieler braucht.

Im Tischtennis gibt es also definitiv nicht mehr den häufig zitierten Theorie-Praxis-Graben, sagt Richard Prause. Wichtig ist immer, wie tief man den wissenschaftlichen Mitarbeiter in die Praxis eindringen lässt. „Mit Sascha Nimtz hatten wir ohne Frage Glück, weil er den Tischtennis-Background als Spieler schon mitbrachte. Er weiß, welche Rückmeldungen wir brauchen. Ansonsten muss sich ein Wissenschaftler das erst erarbeiten, das dauert. Und deshalb ist auch Kontinuität einer Zusammenarbeit wie mit dem IAT so wichtig“, sagt Richard Prause.

Text: Uta Büttner

Verweise
Tischtennis
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