Rhythmus, Effektivität und taktisches Repertoire im Spitzenhandball - Methodologische Fundierung der Weltstandsanalyse anhand der männlichen Junioren-Weltmeisterschaft

Weltstandsanalysen gehören in der angewandten Trainingswissenschaft zum Handwerkszeug all derer, die sich mit dem Spitzensport in den verschiedenen Sportarten und dessen wissenschaftlicher Analyse befassen. Bei der Weltstandsanalyse werden die sportliche Leistung, Leistungsfaktoren und die Leistungsstruktur in einer Sportart oder Sportartengruppe in wissenschaftlichen Verfahren ermittelt und bewertet. In einem weiteren Schritt wird die sportartspezifische Wettkampfleistung in Beziehung zu Trainingsdaten und organisationsstrukturellen Aspekten gesetzt. Ziel von Weltstandsanalysen ist es, Entwicklungstendenzen einer Sportart oder Sportartengruppe im internationalen Wettkampfsport zu objektivieren und allgemeine Entwicklungstendenzen, Tendenzen der Leistungsentwicklung oder nationale Entwicklungstendenzen zu unterscheiden, die mittels Wettkampfbeobachtung und -analysen (zum Beispiel bei Olympischen Spielen, Welt- und Kontinentalmeisterschaften) oder mit Dokumentenanalysen und Literaturrecherchen ermittelt werden. Die möglichen Einflussfaktoren derartiger neuer Trends und Tendenzen können vielfältig sein. In den Spielsportarten zum Beispiel sind es Regeländerungen und sich daraus ergebende bzw. davon abgeleitete Entwicklungen im Trainings- und Wettkampfsystem die dazu geführt haben, dass Wettkampfaktionen zunehmend dynamischer und mit einer zunehmenden Dichte im Wettkampfverlauf erfolgen und es parallel zu deutlich komplexeren Spielhandlungen kommt, unter Einbeziehung von mehr Mit- und Gegenspielern und einer Zunahme des Einflusses von verschiedenen konditionellen, koordinativen und/oder taktischen Leistungsfaktoren, eine sukzessive Dynamisierung sowie Steigerung der Komplexität vollzogen. Dennoch gibt es weiterhin Faktoren, die Spiele entscheiden (können), auch wenn diese zunehmend im komplexen Spielzusammenhang zu verstehen und auszunutzen sind. Um sie nutzen zu können bedarf es einer vorgelagerten detaillierten, differenzierten und komplexen Spielbeobachtung und -analyse, die sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte der Spielleistung und Leistungsbewertung beinhalten. Mit der vorliegenden Arbeit verfolgt Bettina Braunstein das Ziel, die Methode der Weltstandsanalyse mit ihrer Zielsetzung, den Methoden der Datenhebung oder Stichprobengrößen definitorisch mit Blick auf die Mannschafts-Spielsportarten zu beschreiben und mithilfe einer geeigneten sportspielübergreifenden, leistungsdiagnostischen Methodologie, unter Anwendung gegenwärtiger Beobachtungs- und Auswertungsmethoden, zu reduzieren, wofür sie sich als praktisches Beispiel die Sportart Handball und die Junioren-Welttitelkämpfe 2011 gewählt hat. Für diese hat sie eine komplexe, alle spielentscheidenden Leistungsfaktoren erfassende Beobachtungsmatrix entwickelt, die sie auf die Wettkampfanalyse von 20 Spielen dieses Juniorenevents anwendet. Die sich dabei zeigenden Ergebnisse, Trends und Tendenzen sowohl mit Blick auf einzelne Teams, aber auch auf die deutlich werdenden "kontinentalen" Spielauffassungen setzt sie ein, um Stärken und Schwächen von Teams und Kontinenten (dazu wird Europa mit Nordafrika verglichen) differenziert zu ermitteln und zu beschreiben und davon, auch angesichts der sportlichen Resultate und der Platzierungen der Teams, den aktuellen Welthöchststand darzustellen. Dazu liefert sie detaillierte Ergebnisse zum Defensiv- und Offensivspiel der Teams und in der Weiterführung zur Rhythmus- und Tempostruktur sowie der Handlungseffektivität. Die Analyse wird dann detailliert bis hin zur einzelnen Spielposition, der Individual-, Kleingruppen- und Mannschaftstaktik in Defensiv- und Angriffssystemen und im Übergang zwischen diesen Beiden geführt. Ausgewählte taktische Mittel und Maßnahmen (wie zum Beispiel die Schnelle Mitte oder das Überzahlspiel) werden diskutiert, die Gestaltung von Torwürfen analysiert oder der Spielrhythmus und die Bedeutung der verschiedenen Phasen eines Wettkampfspiels untersucht, um letztendlich sowohl einen sportlichen als auch einen wissenschaftlichen Ausblick zu formulieren. Inhalt: 1. Einleitung und Problemstellung 1 1.1 Zielsetzung der Arbeit 2 1.2 Gliederung der Arbeit 2 2. Forschungsstand 4 2.1 Definitorische Abgrenzung der Weltstandsanalyse 4 2.2 Die Beobachtung 7 2.3 Theoretischer und empirischer Hintergrund der Spielbeobachtung 15 2.3.1 Entwicklungen der Weltstandsanalyse in Deutschland 15 2.3.2 Weltstandsanalyse in der Spielsportart Handball 20 2.4 Zusammenfassung 27 3. Untersuchungsmethodik 29 3.1 Versuchsplanung und Operationalisierung 29 3.2 Stichprobe 32 3.3 Untersuchungsdurchführung 33 3.4 Datenauswertung 41 4. Ergebnisse 43 4.1 Die Spielphilosophie 43 4.1.1 Das Defensivspiel 43 4.1.2 Das Offensivspiel 46 4.2 Rhythmus- und Tempostruktur 51 4.3 Effektivität 54 4.4 Vergleich der Teams nach Erfolg 61 4.4.1 Das Defensivspiel der Achtelfinalverlierer 61 4.4.2 Das Defensivspiel der Fünft- bis Achtplatzierten 62 4.4.3 Das Defensivspiel der Finalisten 64 4.4.4 Das Offensivspiel der Achtelfinalverlierer 65 4.4.5 Das Offensivspiel der Fünft- bis Achtplatzierten 67 4.4.6 Das Offensivspiel der Finalisten 68 4.4.7 Rhythmus- und Tempostruktur der Achtelfinalverlierer 70 4.4.8 Rhythmus- und Tempostruktur der Fünft- bis Achtplatzierten 71 4.4.9 Rhythmus- und Tempostruktur der Finalisten 72 4.4.10 Effektivität der Achtelfinalverlierer 74 4.4.11 Effektivität der Fünft- bis Achtplatzierten 75 4.4.12 Effektivität der Finalisten 77 4.5 Vergleich der Teams nach lokalen Unterschieden 80 4.5.1 Das Defensivspiel der Europäer 80 4.5.2 Das Defensivspiel der Nordafrikaner 82 4.5.3 Das Offensivspiel der Europäer 83 4.5.4 Das Offensivspiel der Nordafrikaner 85 4.5.5 Rhythmus- und Tempostruktur der Europäer 87 4.5.6 Rhythmus- und Tempostruktur der Nordafrikaner 88 4.5.7 Effektivität der Europäer 90 4.5.8 Effektivität der Nordafrikaner 92 4.6 Random walk 95 5. Diskussion 102 6. Zusammenfassung und Ausblick 106 6.1 Zusammenfassung aus wissenschaftlicher Perspektive 106 6.2 Zusammenfassung aus sportlicher Perspektive 107 6.3 Ausblick aus sportlicher Perspektive 113 6.4 Ausblick aus wissenschaftlicher Perspektive 114 7. Abkürzungsverzeichnis 117 8. Abbildungsverzeichnis 118 9. Tabellenverzeichnis 119 10. Anhang 120 11. Literaturverzeichnis 121
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Subjects: handball sports game international state-of-the-art-analysis methods junior elite sport male Europe Africa efficiency tactics technique attack clearance juniors World Championship 2011 observation game action playing position (sport games)
Notations: sport games
Published: Hamburg Diplomica 2012
Edition: Hamburg: Diplomica Verlag GmbH, 2012.- 124 S.
Pages: 124
Document types: book
diploma work / thesis
Language: German
Level: advanced