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TEISS-Modell. Taktische Entscheidungen im Sportspiel

Zu den sich in allen Sportspielen zeigenden Trends gehören eine weiter zunehmende Beschleunigung des Spieltempos und eine ansteigende Handlungsdichte - nicht selten - insbesondere im Hochleistungsbereich - nahezu über die gesamte Spielzeit hinweg. Das erfordert von den Spielerinnen und Spielern sehr gut ausgeprägte konditionelle Leistungsvoraussetzungen, aber in gleicher Weise sind neue, sehr komplexe Anforderungen entstanden, Spielsituationen zu antizipieren, sie zu erkennen und sie im Rahmen von individual-, gruppen- oder mannschaftstaktischen Strategien bewusst und gezielt zu gestalten - und das bei tendenziell immer weniger zur Verfügung stehender Zeit für die Entscheidungsfindung in komplexen Spielsituationen, unter der Einwirkung des sportlichen Gegners und/oder unter Zeitdruck. Hieraus ergeben sich vielfältige Anforderungen an die Ausbildung von Spielerinnen und Spielern vom Kindes- bis in das Erwachsenenalter. Der Herausforderung stellen sich sowohl die Sportwissenschaftler, die dafür sowohl theoretische Modelle kognitiver Entscheidungsprozesse entwickeln als auch die Sportpraktiker, die darauf aufbauend Ausbildungs- und Trainingsprogramme gestalten, mit denen die Spielerinnen und Spieler gezielt auf diese typischen Anforderungen vorbereitet werden. Ein in diesem Zusammenhang regelmäßig diskutiertes Thema ist die Spielintelligenz, deren individuelle Voraussetzungen wie auch deren Schulung in Training und Wettkampf. Mit der Definition der Spielintelligenz als Qualität des taktischen Handelns ergeben sich hier sowohl für Wissenschaftler als auch für Trainer wichtige Aspekte, die maßgeblichen Einfluss auf das sportliche Ergebnis haben (können). Dabei geht es sowohl um aktuelle Informationsaufnahme- und Entscheidungsprozesse, aber auch um die bereits vorhandenen Erfahrungen der einzelnen Spielerinnen und Spieler, die alle zur Handlungsgenerierung beitragen. Hier setzt auch die Arbeit von Peter Weigel mit seinem TEISS-Modell (Taktische Entscheidungen im Sportspiel) an, der für sportspieltypische Situationen die ökologischen Bedingungen beschreibt und am Beispiel von zwei Experimenten von komplexen handballtypischen Angriffssituationen untersucht, wie bei Sportlerinnen und Sportlern unterschiedlichen Leistungsniveaus Entscheidungsprozesse ablaufen und zu welchen Ergebnissen sie dabei kommen, d. h. wie erfolgreich und mit welchen Abschlusshandlungen sie entsprechende Spielsituationen lösen können. Bewusst wird den Probanden nur die Startinformation gegeben und ihnen wird die Entscheidung vollkommen überlassen, d. h. es wird kein Einfluss von außen genommen. Im Ergebnis zeigen sich deutliche Unterschiede im Entscheidungsverhalten, die eine Beziehung zum individuellen sportlichen Leistungsniveau besitzen. Hier sieht der Autor auch erste praktische Ansatzpunkte für seine Empfehlung, eine frühzeitige positionsspezifische Spezialisierung in der Ausbildung zu vermeiden, sondern die Spielerinnen und Spieler unbedingt positionsübergreifend auszubilden. Desweiteren zeigt sich, dass insbesondere in komplexen, dynamischen Spielsituationen individuelle Leistungsunterschiede sowohl in der Informationsaufnahme als auch im Entscheidungsverhalten deutlich werden, die auch in Beziehung zum sportartspezifischen Leistungsvermögen insgesamt stehen. Mithilfe von Blickverhaltensuntersuchungen wurden dazu sowohl die von den Spielern aufgenommenen Informationen als auch die von ihnen betrachteten Spielfeldbereiche analysiert. In einer kritischen Methodenanalyse weist der Autor auf Grenzen hin, die sich aus seiner Sicht aus dem primär laborkontrollierten Testdesign und der Diskrepanz zwischen kognitiver Handlungsabsicht und motorischer Handlungsausführung ergeben. Weiterführende Untersuchungen (zum Beispiel mit Miniature-Eye-Tracking-Systemen, Highspeedkameras und automatisierter Transformationssoftware) sollten hier anknüpfen und stärker in die reale Sportspielwelt überführt werden. Bei einer bereits gut ausgeprägten Praxisnähe der Versuchsanordnung könnten so weitere Fortschritte erzielt werden. 1 Taktische Voraussetzungen in den großen Sportspielen 1.1 Stellenwert der Taktik 1.1.1 Bedeutung der Taktik für die Sportspielleistung 1.1.2 Taktisches Verhalten in der Sportspielpraxis 1.1.3 Taktische Anforderungen des Sportspiels Handball 1.2 Klassische Auffassung: Taktische Komponenten 1.3 Moderne Auffassung: Spielintelligenz 1.3.1 Sportpsychologischer Standpunkt 1.3.2 Sportspieltheoretischer Standpunkt Entscheidungsverhalten unter ökologischen Situationsbedingungen 2.1 Merkmale ökologischer Entscheidungsprozesse 2.2 Traditionelle Entscheidungstheorien 2.3 Moderne Entscheidungstheorien - Der Ansatz des Natural-Decision-Making 2.3.1 Ökologische Entscheidungsmodelle 2.3.2 Recognition-Primed-Decision-Modell 2.3.3 Betrachtung des Recognition-Primed-Decision-Making im Sportspiel 2.4 Diskussion des Forschungsstandes 2.5 Eigener Modellansatz 3 Experimente zur Blickmotorik in handballtypischen Entscheidungssituationen 3.1 Forschungsziele und Forschungsprobleme 3.2 Forschungsansatz 3.3 Übereinstimmende Aspekte der Untersuchungsmethodik 3.3.1 Probandenstichprobe 3.3.2 Handballtypische Angriffssituationen als visuelle Stimuli 3.3.3 Datenerhebung 3.3.4 Datenverarbeitung 4 Untersuchung unter vereinfacht dargestellten Entscheidungsbedingungen (Studie 1) 4.1 Vorbemerkungen und Hypothesen 4.2 Spezielle Untersuchungsmethodik 4.2.1 Versuchsaufbau 4.2.2 Vereinfacht dargestellte Handball-Angriffsszenen 4.3 Ergebnisse und Diskussion 4.3.1 Qualität der Abschlusshandlung 4.3.2 Blickmotorik 4.3.3 Situationswahrnehmung 4.4 Resümee und Kommentierung zum TEISS-Modell 5 Untersuchung unter komplex dargestellten Entscheidungsbedingungen (Studie 2) 5.1 Vorbemerkungen und Hypothesen 5.2 Spezielle Untersuchungsmethodik 5.2.1 Versuchsaufbau 5.2.2 Komplex dargestellte Handball-Angriffsszenen 5.3 Ergebnisse und Diskussion 5.3.1 Qualität der Abschlusshandlung 5.3.2 Blickmotorik 5.3.3 Situationswahrnehmung 5.4 Resümee und Kommentierung zum TEISS-Modell 6 Beziehungen der Ergebnismuster der Studien unter vereinfacht und komplex dargestellten Entscheidungsbedingungen 6.1 Relation der Kriteriumsvariablen der Studien 1 und 2 6.1.1 Qualität der Abschlusshandlung 6.1.2 Blickmotorik 6.1.3 Situationswahrnehmung 6.2 Erkenntnisse zum TEISS-Modell 7 Konstruktive Impulse für das Handballtraining in der Schule und im Sportverein 8 Rückblick und Ausblick
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Subjects: sports game tactics decision behavior perception intellectual ability eye technique theory handball investigation method auxiliary device
Notations: sport games training science
Published: Schorndorf Hofmann Verlag 2014
Series: Beiträge zur Lehre und Forschung im Sport, 182
Pages: 280
Document types: book
Language: German
Level: advanced