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Funktionale Analyse von Bewegungen im Behindertensport unter besonderer Berücksichtigung des leichtathletischen Speerwurfs

(Functional analysis of movements in handicapped sport under special consideration of the athletics javelin throw)

Auch Behinderte treiben Sport, allerdings auf ihre spezifische Art, durch Abändern und Ausnutzen aller Mittel, die ihnen aus dem Nichtbehindertensport und/oder der Technologie zur Verfügung stehen. Hinter der Entstehung jeder Bewegung im Behindertensport ist eine funktionale Denkweise zu finden. Diese wird aber nicht systematisch angewendet, wie es das Konzept der Funktionsanalyse von Göhner nahe legt. Insofern lag das Interesse dieser Arbeit darin, auf die praktische Anwendung der Funktionsanalyse im Behindertensport einzugehen. Mit der Darlegung der Grundidee des Funktionsanalysekonzeptes und ihrer konkreten Umsetzung für den Behindertenbereich konnten Erkenntnisse über die sportliche Bewegung im Behindertensport gewonnen werden, die bislang noch nie oder noch nicht systematisch beschrieben wurden. Ferner konnten durch die funktionale Einordnung und Bearbeitung der Behindertenbewegung Gemeinsames aber auch charakteristische Unterschiede zu dem Nichtbehindertensport aufgedeckt werden. Grundsätzlich aber wurde aufgezeigt, dass die Funktionsanalyse ebenso wichtige Auswirkungen in der Sportpraxis des Behindertensports haben kann wie im Nichtbehindertensport. Die Angemessenheit der funktionalen Betrachtungsweise für den Bereich des Behindertensport lag daran, dass alle Bewegungsausführungen der Behinderten erfasst werden können, unabhängig davon, ob eine Bewegung optimal ausgeführt wird oder nicht, weil immer situationsspezifisch analysiert wird. Für den Behindertensport, in dem immer wieder „anders ausgeführte“ Bewegungen entdeckt werden können, ist das von großer Bedeutung. Diese „anders erscheinenden“ Gegebenheiten des Behindertensports wirken entscheidend auf das Erscheinungsbild der sportlichen Bewegung, bestimmen deren Struktur und haben einen erheblichen Einfluss auf die unterschiedlichen Bewegungslösungen, die von Behinderten realisiert werden. Funktionsanalytisch betrachtet sind es dennoch dieselben Gegebenheiten, die auch die sportliche Bewegung der Nichtbehinderten beeinflussen und von Göhner als die verlaufsbestimmenden Komponenten der Grundstruktur der Bewegungsaufgabe vorgestellt wurden: Es sind das Bewegungsziel, die Bewegerattribute, die Movendumbedingungen, die Umgebungsbedingungen und die Regelbedingungen. Durch die systematische funktionsanalytische Bearbeitung der Bewegungsaufgabe im Behindertensport wurden diese verlaufsbestimmenden Komponenten auch für die Behindertenbewegung untersucht und die typischen gebietspezifischen Besonderheiten in ihrer Grundstruktur aufgezeigt und systematisiert. Insofern konnte nicht nur beschrieben werden, was die Behinderten gegenüber dem „normalen“ Sport unverändert übernommen haben, sondern es konnte auch besonders herausgestellt werden, was sie geändert haben und warum sie es ändern mussten und vor allem auch, was im Behindertensport neu entwickelt wurde. Grundsätzlich aber wurde durch diese Bearbeitung aufgezeigt, dass die Strukturierung der Bewegungsaufgabe für Behinderte nicht anders als bei Nichtbehinderten ist, obwohl die verlaufsbestimmenden Grundkomponenten der Bewegungsaufgabe im Behindertensport an mehreren Stellen Unterschiede aufzeigten. All diese aufklärenden Erkenntnisse über die Grundstruktur der Behindertenbewegung wurden anschließend mit einer Ablaufsanalyse verknüpft, um Fragen über die unterschiedlichen Ausführungsformen einer ausgewählten Bewegungsaufgabe (leichtathletischer Speerwurf) behandeln zu können und um die individuellen Bewegungshandlungen, die von den Sportler vorgenommen wurden, situationsspezifisch interpretieren zu können. Zusammenfassend konnte es sich durch die Anwendung des funktionsanalytischen Konzeptes im Behindertenbereich herausstellen, dass auch in diesem Bereich der grundlegende Gewinn das funktionale Verstehen von Bewegungen ist. Jedoch geht es hier vielmehr um das funktionale Verständnis von anders (als „normal“) ausgeführten Bewegungen. Und gerade in diesem Punkt zeigt sich auch die Flexibilität der Anwendungsmöglichkeit der Funktionsanalyse, indem sie je nach Bewegungsproblem unterschiedlich eingesetzt werden kann: So können durch die Ermittlung der Aktions-Funktionsbezüge, zielnotwendige Funktionsbestandteile eines Bewegungsablaufs aufgeklärt werden, die auch bei einer behinderungsgeprägten Bewegungsausführung eingehalten werden müssen. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch die funktionale Betrachtungsweise im Behindertensport nicht nur allgemeine Erkenntnisse über die sportliche Bewegung Behinderter gewonnen wurden, sondern es wurden neue Perspektiven eröffnet, indem sie fordert, jede einzelne Bewegungsmodalität zu überprüfen und funktionale Nachteile oder Vorteile der von einzelnen Behinderten ausgeführten Lösungswege zu erforschen. Also disabled persons go in for sports, indeed, in her specific way, by changing and using all means which are available to them from the normal sport and/or the technology. Behind the origin of every movement in the disabled sport, a functional way of thinking is to be found. However, this is not applied systematically as the concept of the functional analysis of Göhner suggests. In this respect, the interest of this work was to come on the practical use of the functional analysis in the disabled person's sport. With the demonstration of the basic idea of the functional analysis concept and it concrete conversion for the disabled, knowledge could be won about the sport movement in the disabled sport, which was never described up to now or not yet systematically. Further typical differences could be uncovered by the functional classification and treatment of the movement of disabled but also common to the normal sport. Basically, however, it was indicated that the functional analysis can have as important effects in the sports practise of the disabled like in the normal sport. The propriety of the functional approach for the disabled sport was due to the fact that all movement performances of the disabled can be grasped, no matter whether a movement is optimally performed or not, because it is analysed always specifically for situation. For the disabled sport in which over and over again „differently performed“ movements can be discovered, that is of great importance. These "differently appearing" circumstances of the disabled sport decisively work on the appearance of the sport movement, determine their structure and have a considerable influence on the different movement solutions which are realised by disabled persons. If they are functional-analytically observed, it shows that they are still the same circumstances which also influence the sport movement of the non-disabled persons and were introduced by Göhner as the components decisive for the basic structure of the movement: These are the movement aim, the mover-attribute, the Movendum terms, the environmental terms and the sport rule terms. These components decisive for the movement, were examined by the systematic functional-analytic treatment for the disabled sport movement and the typical specific features were indicated and systematised. In this respect it could be described not only what the disabled persons have taken over unchanged, compared with the "normal" sport, but it could be particularly also put outside what they have changed and why they had to change it and above all, what was anew developed in the disabled sport. Basically, however, it was indicated by this treatment that the structuralisation of the movement is for disabled persons not differently than with non-disabled persons, although the basic components decisive for the movement indicated differences in the disabled sport at several places. Afterwards, all this enlightened knowledge about the basic structure of the disabled sport movement was tied together with a performance – analysis, with the aim to treat questions about the different performance forms of a chosen movement (athletics javelin throw) and to be able to interpret the individual movement actions which were decided by the athlete specifically for each to be able to interpret situation. To sum up, it could turn out by the use of the functional-analytic concept for the disabled sport, that also in this area the basic profit is the functional understanding of movements. However, it is rather about the functional understanding from differently (than "normally") performed movements. And just in this point appears the flexibility of the application possibility of the functional analysis, while it can be used differently according to movement problem: it is able by supplying the action - function relations, to clear up functional components which are necessary for the aim of a motion sequence and which must be kept in a handicapped - engraved performance. To sum up, it can be said that not only general knowledge about the sport movement of disabled was won, but new perspectives were opened, while it is asked to check every single movement modality and to investigate functional disadvantages or advantages of the solution ways performed by single disabled persons. VOM AUTOR ÜBERNOMMEN
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Subjects: javelin throw sport for handicapped movement analysis structure
Notations: training science strength and speed sports sports for the handicapped
Published: Tübingen Universität Tübingen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät 2009
Pages: 236
Document types: dissertation
Language: German
Level: advanced