Blickstrategien von Badmintonspielerinnen und -spielern der nationalen Spitze

(Eye-tracking strategies of national top badminton players under stress)

Während im Badminton schon Studien zur Blickbewegung bei der Angriffsaktion oder dem Aufschlag des Gegners vorliegen (Abernethy & Russell, 1987; Hagemann & Memmert, 2006; Hagemann & Strauß, 2006; Alder et al., 2014), sind keine Publikationen bezüglich der Blickbewegungsstrategien nach der eigenen Aktion bekannt. Auch in anderen Rückschlagspielen wie im Tennis und Tischtennis wurden bisher die Blickstrategien von Spielern vor oder während der eigenen Aktion thematisiert (Lafont, 2008; Ripoll, 1989; Ripoll & Fleurance, 1988), die Folgeaktion und die Blickbewegung nach der eigenen Schlagausführung wurden nicht betrachtet. Ein weiteres Problemfeld liegt in der Auswahl der handlungsrelevanten Stimuli. Bei den bereits vorliegenden Studien zur visuellen Wahrnehmung in den Sportspielen wurden bisher fast ausschließlich Videosequenzen für die Analyse der Blickbewegungen eingesetzt und die Reaktion auf das Stimulusmaterial durch eher sportartunspezifische Bewegungen überprüft (Piras, Lobietti & Squatrito, 2014; Shim et al., 2005) Übergreifend wurden folgende Fragestellungen bearbeitet: Auf welche Regionen richten Badmintonspieler vor, während und nach der Ausführung der eigenen Aktion ihren Blick? Liegen Unterschiede zwischen den Expertisegruppen bezüglich der Blickstrategien vor? Liegen Unterschiede in der Zeitdauer der finalen Fixation vor der eigenen Bewegungsausführung vor Kann ein Zusammenhang zwischen der Dauer der finalen Fixation (QE) und der Leistungsfähigkeit der reagierenden Spieler bei der Aufschlagannahme und bei der Abwehr von Schmetterschlägen bestätigt werden? Bei den Versuchspersonen handelte es sich um 22 Nationalspielerinnen und -spieler im Badminton von B- bis D/C-Kader (14 weiblich, 8 männlich, Alter 23,2; ± 4,9) und um 9 Spielerinnen und Spieler aus regionalen Vereinen (3 weiblich, 6 männlich, Alter 28,0; ± 8,2, Leistungsniveau Bezirksliga bis Regionalliga) im Bereich der Doppeldisziplinen. In den Einzeldisziplinen wurden 11 Nationalspielerinnen und -spieler (5 weiblich, 6 männlich, Alter 22,1; ± 5,4) und 6 Spielerinnen und Spieler aus regionalen Vereinen (5 weiblich, 1 männlich, Alter 30,0; ± 8,2, Leistungsniveau Bezirksliga bis Regionalliga) untersucht. Zur Analyse der Blickbewegung wurde eine Blickbewegungsbrille von SMI (ETG 2w) eingesetzt, deren Erfassungsrate der Augenbewegungen 60 Hz betrug. Die Kinematik der motorischen Reaktionen wurde dreidimensional von zwei synchronisierten Hochfrequenzkameras (Marke Optronis, Software Marathon ultra, Fa. GS vitec) mit einer Aufnahmefrequenz von 500 Hz erfasst. Für die Messungen im vorliegenden Projekt wurden in Anlehnung an vorangegangene Studien (Gawin et al., 2012) und in Absprache mit den Trainern des DBV vier taktisch bedeutsame Spielsituationen ausgewählt: Die Spieleröffnung im Doppel, die Abwehr eines Angriffsschlags im Einzel, der Angriff des Vorderspielers im Doppel und der eigene Angriff im Einzel. Alle Messungen fanden auf einem regulären Wettkampffeld mit Gegenspielern von mit den Versuchspersonen vergleichbarer Leistungsfähigkeit statt. In allen vier Spielsituationen wurden die Blickbewegungen der Versuchspersonen während des gesamten Tests über die Blickbewegungsbrille aufgenommen. Bei den ersten beiden Spielsituationen (Spieleröffnung und Abwehr) wurden darüber hinaus die Aktionen von Aufschläger und Rückschläger bzw. von Angreifer und Abwehrspieler mit den Hochfrequenzkameras dreidimensional erfasst. (vom Autor übern. gek.)
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Subjects: badminton eye sensorimotor function test investigation method
Notations: training science sport games
Tagging: Blickverhalten
Published in: BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17
Published: Hellenthal Sportverlag Strauß 2018
Pages: 111-118
Document types: article
book
research paper
Language: German
Level: advanced