Blickstrategien von Badmintonspielerinnen und -spielern der nationalen Spitze unter Belastung

(Eye-tracking strategies of national top badminton players under pressure)

Viele Befunde der Wahrnehmungsforschung im Sport weisen darauf hin, dass sich hochqualifizierte Sportlerinnen und Sportler in ihrem Blickverhalten von weniger qualifizierten Sportlern bezüglich der Länge der visuellen Fixationen vor dem Ausführen einer motorischen Aktion unterscheiden. Generell scheinen Experten, bevor sie beispielsweise die Abwehr eines Angriffsschlags im Volleyball oder einen Freiwurf im Basketball ausführen, länger die Spielsituation oder das Ziel zu fixieren als Nicht-Experten (u. a. Hossner et al., 2014; Vickers, 1996). Offensichtlich versetzt die länger andauernde abschließende Fixation (Quiet Eye) hochqualifizierte Sportler in die Lage, effizienter Informationen aufzunehmen als weniger qualifizierte Sportler. Der Ausgangspunkt der Untersuchung war die Vermutung, dass sich auch bei Badmintonspielern die finale Fixation vor dem Auslösen einer motorischen Aktion unter Beanspruchung verkürzt. Dies kann bei der vorliegenden Studie weder bei der mittleren noch bei der hohen Beanspruchungsstufe bestätigt werden. Die Mittelwerte der Dauer des Quiet Eye ändern sich sowohl bei den Doppel- als auch bei den Einzelspielern nur wenig. Die Zeitdauer des Quiet Eye ist bereits in Ruhe bei allen Spielern - unabhängig von der Leistungsfähigkeit - sehr unterschiedlich und die Veränderungen durch die verschiedenen Beanspruchungsstufen sind in der Experimentalgruppe nicht systematisch. Individuell betrachtet sinkt die Dauer des Quiet Eye bei einigen der Spielerinnen und Spieler deutlich ab, bei anderen führt die hohe Beanspruchung zu einer überdurchschnittlichen Verlängerung. Das heißt, dass einige Athletinnen und Athleten auf Druckbedingungen mit einer längeren Quiet-Eye-Phase reagieren, während andere deutlich kürzer fixieren. Der Durchführung des Konzentrationsleistungstests mit einer Kontrollgruppe ohne Beanspruchung aber denselben Messzeitpunkten hatte das Ziel, den beim d2-R zu erwartenden Lerneffekt durch das mehrfache Bearbeiten des Tests zu quantifizieren. Damit sollten mögliche Unterschiede in der Konzentrationsleistung zwischen der Ausführung unter Ruhebedingungen und unter Beanspruchung identifiziert werden. Allerdings unterscheiden sich die Lerneffekte zwischen der Experimentalgruppe und der Kontrollgruppe nicht, ein Einfluss der physiologischen Beanspruchung auf die Konzentrationsleistung kann mit der vorliegenden Studie nicht bestätigt werden. Wird nach dem aktuellen Forschungsstand davon ausgegangen, dass eine lange Quiet-Eye- Phase mit guter Leistung assoziiert ist (u. a.), dann gibt es Handlungsbedarf bei den Spielerinnen und Spielern, bei denen individuell ein praxisrelevanter Abfall des Quiet Eye registriert wird. (vom Autor übern. gek.)
© Copyright 2018 BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17. Published by Sportverlag Strauß. All rights reserved.

Subjects: eye badminton stress load reaction concentration test perception cognition
Notations: training science technical and natural sciences sport games
Tagging: Quiet eye Eyetracking
Published in: BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17
Published: Hellenthal Sportverlag Strauß 2018
Pages: 285-289
Document types: article
book
research paper
Language: German
Level: advanced