BISp-Report 2014/15. Bilanz und Perspektiven

Neben der wissenschaftlichen Unterstützung des Spitzensports durch die Initiierung, Förderung und Koordinierung von Forschungsprojekten, liegt eine der Kernkompetenzen des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) in der Beratung von Politik und Sport. Seit seiner Gründung im Jahr 1970 wird a...uf die fachliche Expertise unseres Instituts gerne zurückgegriffen. Diese Beratungsfunktion wird zukünftig an Bedeutung gewinnen, da sich international wie national die Organisation des Sports seit einigen Monaten im Umbruch beendet. Während sich internationale Verbände wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) um Reformen bemühen, bündeln das Bundeministerium des Innern (BMI) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ihre Kräfte, um die bundesdeutsche Spitzensportförderung zukunftsfähig zu machen. Nicht zuletzt werden hier Weichen für etwaig in Deutschland stattfindende Olympische und Paralympische Spiele gestellt. Gleichzeitig wird das bevorstehende Anti-Dopinggesetz für Topathleten und -athletinnen, Justiz und Verbände neue Wege in der Dopingbekämpfung und in der Schiedsgerichtsbarkeit eröffnen. In dieser momentanen Phase der Neuformierung hat der Bundesrechnungshof empfohlen, auf die Kompetenz des BISp verstärkt zu vertrauen. Im aktuell gültigen Errichtungserlass des BISp ist die fachliche Beratung des BMI ohnehin festgeschrieben, sodass es nur folgerichtig ist, dass das BMI die Empfehlung des Bundesrechnungshofes aufgreift und für die Zukunft die Bestimmung "sachgerechter und leistbarer Handlungsfelder einer Beratung durch das BISp" zugesagt hat. Um die anstehende Neuausrichtung der Spitzensportförderung konstruktiv mitzugestalten, bietet das BISp seine Unterstützung durch die vielfältigen Kompetenzen seines Teams an. Als besonders gewinnbringend könnten sich dabei nicht nur die unterschiedlichen sportwissenschaftlichen Spezialisierungen im Hause erweisen, sondern auch die Expertise unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Disziplinen wie Medizin, Psychologie, Soziologie, Ökonomie, Recht, Informationswissenschaft oder den Ingenieurwissenschaften, Sporttechnologie und Architektur. Unsere multi- und interdisziplinäre Ausrichtung wird zudem von einem Wissenschaftlichen Beirat unter seinem Vorsitzenden, Prof. Dr. Bernd Strauß, betont. Prof. Strauß stellt in diesem BISp-Report den Beirat, der sich am 21. November 2014 konstituierte, sowie dessen Ziele vor. Schließlich zeigt sich im hier vorliegenden BISp-Report, in wie vielfältiger Art sich das Haus in die Beratung der nationalen Sportbelange einbringt. Vor allem in einem Einwanderungsland wie Deutschland besteht für die Entscheidungsträger von Politik und Sport auf dem Gebiet der Integration ein großer Bedarf an Kooperation, die wir durch den von Sabine Stell skizzierten Forschungsstand auf diesem Gebiet gerne unterstützen. Die ebenfalls politisch weitreichenden, ökonomischen Implikationen des Sports zeigt Andreas Pohlmann in seinem Artikel zur "Politikberatung am Beispiel Sportentwicklungsbericht und Sportsatellitenkonto" auf. Hohe Bedeutung haben in wirtschaftlicher Hinsicht auch die Sportstätten, deren Neubau oder Instandhaltung die Kommunen in ganz Deutschland vor entscheidende finanzielle Herausforderungen stellen. Das BISp berät deshalb seit jeher durch seine Mitwirkung in der AG Sportstätten die Entscheidungsträger in der Sportministerkonferenz bzw. Sportreferentenkonferenz in puncto Infrastruktur für den Sport. Viele Anregungen für den Raumbedarf kommen aus den Kommunen, die mit ihrem Sportangebot die Basis für die künftigen Leistungsträger des Spitzensports bilden. Im letzten Teil seiner Artikelreihe zur Weiterentwicklung von Sportanlagen widmet sich Peter Ott deshalb dem experimentellen Sportstättenbau. Der Transfer der neuesten Erkenntnisse auf diesem Gebiet erfolgt u. a. durch die Veranstaltungsreihe "Sport braucht Räume", deren letztes Symposium in Düsseldorf mit über 200 Gästen großen Zuspruch erfuhr. Die zentralen Inhalte der Diskussion präsentiert Michael Palmen. Nicht nur im Sportstättenbau sind die Zusammenhänge von Spitzen- und Breitensport offensichtlich. Auch innerhalb des Forschungsprojekts "Rückenschmerz" hat sich der gesamtgesellschaftliche Ansatz bewährt. Unter dem Kampagnenslogan "Ran Rücken" sollen dabei Erkenntnisse des einzigartigen interdisziplinären und weitreichend vernetzten Projekts sowohl im Spitzensport als auch in der Gesamtgesellschaft übertragen werden. Eine Übersicht der bisherigen Ergebnisse und Aktivitäten der ersten Projektphase stellen Dr. Peter Stehle und Dr. Marc Wonneberger dar und geben einen Ausblick auf die zweite - im Januar 2015 angelaufene - Projektphase. Der Spitzen- und Nachwuchsleistungssport benötigt wissenschaftlich fundierte, systematische und altersgerechte Rahmentrainingspläne. Das BISp unterstützt seit Jahren die Spitzenverbände in der Realisierung dieses wichtigen Steuerungsinstruments. Insbesondere für den Bereich der sportpsychologischen Betreuung liegen dazu aktuelle Arbeiten vor. Exemplarisch für diese BISp-Aktivitäten wird in dem vorliegenden Beitrag auf das Forschungsprojekt "Zur Entwicklung und Umsetzung einer sportpsychologischen Rahmenkonzeption im Deutschen Skiverband, Ski Alpin, für die Talentförderung, Ausbildung und das Coaching" eingegangen. In einem Interview mit PD Dr. Gabriele Neumann gibt der Projekt verantwortliche Dr. Kai Engbert Auskunft über die Inhalte und den Wissens-transfer im Verband. Für die Sportverbandspolitik ist momentan vor allem unser Projekt zum Schädel-Hirn-Trauma relevant, das ebenfalls von Dr. Peter Stehle und Dr. Marc Wonneberger skizziert wird. Bereits bevor Christoph Kramer im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft 2014 eine solche Verletzung erlitt, hatte das BISp diese sportmedizinische Baustelle erkannt und damit begonnen, Erkenntnisse aus den US-amerikanischen Profiligen systematisch auszuwerten. Mittlerweile hat der englische Fußballverband Schnelltests eingeführt und das Bundesinstitut für Sportwissenschaft hat mit der Publikation "Leichtes Schädel-Hirn-Trauma im Sport. Handlungsempfehlungen" sowie mit der sogenannten "Taschenkarte" eine Entsprechung für Deutschland entwickelt. Grundstein unserer wissenschaftlichen Beratung sind unsere Datenbanken und Informationsprodukte. Während die BISp-Pressedokumentation aufgrund von Urheberrechten nur einem eingeschränkten Nutzerkreis politischer Entscheider zugeleitet werden kann, werden unsere Online-News bereits von über 450 Nutzerinnen und Nutzern, vor allem aus Politik und Wissenschaft, täglich gelesen, um sich über die mediale Berichterstattung über Sport in Politik und Gesellschaft zu informieren. Das Hochschulranking 2015/16 des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) nutzte erneut unsere Datenbank "Sportwissenschaftliche Literatur" (SPOLIT) als Grundlage seiner bibliometrischen Analyse, mit der wiederum die Forschungsleistung der sportwissenschaftlichen Fakultäten bewertet wird. Ruth Lütkehermölle und Dr. Robin Streppelhoff stellen die Vorarbeiten des BISp für das CHE-Ranking vor. - aus dem Editoral von BISp-Direktor J. Fischer -
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Notationen: Leitung und Organisation aktuelle Informationen
Herausgeber: Bundesinstitut für Sportwissenschaft
Veröffentlicht: Köln Sportverlag Strauß 2015
Schriftenreihe: BiSp-Report
Seiten: 108
Dokumenttyp: Buch
Sprache: Deutsch
Level: niedrig